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Träume erinnern und verstehen

Wir wachen auf, für einen kurzen Augenblick erinnern wir uns an einem faszinierenden Traum, doch schon während wir uns darüber wundern, was er wohl bedeuten mag, löst er sich plötzlich ins Nichts auf: die Erinnerung zerplatzt wie eine Seifenblase. Manchmal erinnern wir uns jedoch an den Inhalt und wundern uns, warum gerade dieser Traum es ist, der uns bleibt. Verbirgt sich dahinter eine tiefere Bedeutung, oder ist es nur ein Fantasiegebilde, das uns im besten Fall fasziniert und inspiriert, manchmal nur verwirrt und verwundert, aber im schlimmsten Fall, bei einem Albtraum, unsere Laune den ganzen Tag über belastet. Dem Phänomen Traum möchte ich heute ein wenig beleuchten.

Woher kommen unsere Träume?

Für manche sind Träume, wie einst in der Antike, göttliche Botschaften, Visionen einer fernen Zukunft oder eines weiten Landes, ein Mittel, Kontakt mit einer Anderswelt aufzunehmen. Für uns Wissenschaftler ist der Traum mindestens ebenso faszinieren, denn die Reise eines Traumes führt ins Unbewusste Teil unseres Selbst. Was wir während des Wachzustandes erleben, spiegelt sich in unseren Träumen wider, oftmals verzerrt und kryptisch. Je mehr neue Erfahrungen wir machen, um so bunter die Träume.

Besonders zu beachten sind dabei verdrängte oder von Tabu behaftete Themen, die tagsüber oft nicht einmal angedacht werden, jedoch im Traum wieder auftauchen, manchmal ungefiltert, meistens jedoch hinter Bilder, die nicht oder eher noch nicht, zugeordnet werden können: Auch wenn unser Unbewusste diese Elemente in sich trägt, auch in den Traumbildern bestehen weiterhin unsere angelernte Filter, die uns vor uns selbst so zusagen zensieren.

Träume besser erinnern

Die komplexeren Trauminhalte, die mit ihren Plots und Geschichten ganze Bücher füllen könnten (und zum Teil tatsächlich als Inspirationsquelle für Künstler, Musiker und Autoren dienen) kommen hauptsächlich in der REM-Schlafphase vor, die berühmte Rapid Eye Movement Phase (zu Deutsch: Schnelle Augenbewegung). Wachen wir also aus einer REM-Phase auf, erinnern wir den Trauminhalt besser, als wenn wir aus einer Tiefschlafphase von einem Wecker aus dem Schlaf gerissen werden.

Regelmäßig nach dem Wachwerden ein Traumtagebuch zu führen, sich daran zu gewöhnen, mehr auf die Trauminhalte zu achten, führt bereits dazu, dass wir uns häufiger an unsere Träume erinnern. Springen wir direkt auf, um den Traum aufzuschreiben, kann es dennoch passieren, dass wir ihn auf dem Weg zum Traumtagebuch vergessen. Besser ist es, sich nach dem Erwachen nicht zu bewegen und die Muskeln entspannt zu lassen. So bleiben wir vollkommen in die Atmosphäre des Traums vertieft und können damit beginnen, uns selbst den Traum zu erzählen. Dabei fließt der Trauminhalt von unserem schlafenden Unbewussten Ich hinüber zu unserem wachen, Bewussten Ich. Jetzt können wir aufstehen, den Traum aufschreiben und dabei so viele Facetten des Traumes festhalten, wie wir können: Gefühle und Empfindungen inklusive.

Träume erzählen hilft ebenfalls, vor allem wenn der Zuhörer aufmerksam ist und durch Fragen dabei hilft, mehr Trauminhalt aufzudecken. Das ist besonders für Kinder wichtig, die ohnehin zumeist gerne von ihren Träumen erzählen. Eltern können zum Beispiel am Frühstückstisch die Kinder dazu animieren, von ihren Träumen zu erzählen und so sogar herausfinde, ob die Kinder Ängste entwickelt haben, von denen sie noch nicht gesprochen haben.

Traumwelten erforschen

Haben wir erstmal unsere Traumwelten festgehalten, können wir uns diesen Träumen widmen. Es gibt hier keine festgelegten Bedeutungen. Traumelemente bauen auf unsere persönlichen Erfahrungen auf, daher können nur wir selbst diese verschlüsselten Botschaften entwirren. Wurde zum Beispiel jemand von einer Schlange gebissen, so hat für diese Person eine Schlange eine andere Bedeutung als für jemand, der sehr religiös ist, der eine Schlange als Haustier hat oder der tags zuvor eine Dokumentation über Schlagen gesehen hat.

Träume können auch etwas mit unserem Sprachgebrauch zu tun haben. In der Amerikanisch-Englischen Sprache bedeutet „to catch a bug“ (zu Deutsch: „einen Käfer einfangen“), zu erkranken, zum Beispiel an einer Grippe. Kein Wunder demnach, dass in Zeiten von Coronaviren bedingter Covid-19 Erkrankung, mehr US-Amerikaner von Käfer träumen, in andren Sprachräumen jedoch, Käfer immer noch selten erträumt werden.

Manchmal können Träume auch mit unserer Gesundheit zu tun haben. Träumen wir häufig über das Ersticken, dann kann es sein, dass eine Atemwegserkrankung vorliegt. Leider wurde bislang wenig über Träume als diagnostisches Kriterium einer Krankheit geforscht, aber es wäre in der Zukunft denkbar, dass dieses Wissen vertieft wird und wir mehr über diese Zusammenhänge aufdecken können.

Sicherlich dient jetzt schon der Traum als Diagnose Kriterium und auch als Behandlungsansatz in der Psychotherapie, dann sprechen wir von Traumarbeit.

Heute wollen wir uns aber dem Traum als nächtlicher Begleiter widmen, als das Element, das uns dabei hilft, mehr über uns selbst zu erfahren und über diese Selbsterkenntnis, ein Stück weit besser in uns selbst zu ruhen.

Haben wir die Traumelemente erfasst, die damit verbundenen Gefühle und Empfindungen aufgedeckt, können wir uns folgende Fragen stellen: Womit verbinde ich dieses Traumelement? Wann habe ich Ähnliches im Wachleben, gespürt, gesehen, gefühlt? Warum taucht es gerade jetzt in meinem Traum auf? Spielt es eine Rolle, in meinem jetzigen Leben? Gibt es eine Verbindung? Erinnert mich das, an etwas ganz anderem?

Stück für Stück nähern wir uns den Antworten, manchmal sind sie offensichtlich, manchmal kommen wir nur zum Teil dahinter, was die verborgenen Botschaften bedeuten. Auf jeden Fall ist das Entschlüsseln eine spannende Aufgabe, eine Reise ins Unbewusste: wir lösen ein Rätsel über uns selbst auf, wir entdecken uns selbst.

Weiterführende Literatur

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