Pressespiegel
"Tiroler Tageszeitung" Nr. 64-TO vom 17.03.2006 Seite: 57
Ressort: Außenpolitik
Träume helfen, emotional Wichtiges zu verarbeiten
"Träum‘ was Schönes!" - diesen Wunsch geben wir oft dem Menschen mit, dem wir eine gute Nacht wünschen.
Von HILDE ZUNTERER
INNSBRUCK. "Damit Träume entstehen können, müssen viele unterschiedliche Gehirnregionen im Zusammenspiel aktiv sein", erklärt Birgit Högl, Leiterin des Schlaflabors an der Innsbrucker Uni-Klinik für Neurologie. Die biologische Bedeutung des Träumens sei umstritten, aber: "Im Traum werden Gedächtnisinhalte verfestigt und bearbeitet", sagt die Schlafexpertin.
Zwei Arten von Schlaf
Grundsätzlich gibt es zwei Arten von Schlaf, den so genannten REM- (Rapid Eye Movements) und den Non-REM-Schlaf. Neueren Erkenntnissen zufolge verfolgt man während des REM-Schlafes hinter geschlossenen Augenlidern die eigenen Traumbilder. "Ein interessantes Kennzeichen des Traumschlafes ist dabei, dass außer den Augen- und Atemmuskeln fast alle anderen Muskeln des Körpers normalerweise gelähmt sind", erklärt die Neurologin Högl. Dies verhindere, dass der Mensch das, was er träumt, auch tut. Was bei manchen Träumen fatale Folgen hätte: "Es gibt aber Strörungen, bei denen man praktisch zuschauen kann, was der Betroffene träumt - das kann so weit gehen, dass er oder sie den Bettpartner verletzt", berichtet Högl.
"Ich nenne Träumen auch mentales Verdauen - emotional Wichtiges und Beeindruckendes wird mit Erfahrenem verglichen, verarbeitet und eingeordnet, damit wir am nächsten Tag wieder bereit für Neues sind", ergänzt Brigitte Holzinger von der Österreichischen Gesellschaft für Schlafmedizin und Schlafforschung (ÖSGM). Träume seien lebensnotwendige Vorgänge, die durch das Erleben am Tage angestoßen würden.
Albträume
Der Mensch kann in allen Schlafphasen träumen. Manche Träume kehren immer wieder. Laut Holzinger kann das verschiedene Ursachen haben, wahrscheinlich aber beschäftigt sich der Träumer so lange mit einem Thema, bis er gelernt hat, womit er es zu tun hat und damit umgehen kann.
Albträume gehören ebenso zum Träumen, können aber auch auf verschiedene neurologische und psychiatrische Störungen hinweisen oder im Rahmen von Medikamentenmissbrauch auftreten. Kinder haben öfter Albträume, was aber nicht krankhaft sein muss. Überhaupt ist die Situation bei Kindern anders als bei Erwachsenen: "Kinder müssen ein gewisses Alter - etwa drei bis vier Jahre - erreicht haben, um sich überhaupt an ihre Träume zu erinnern", ergänzt Högl.
Prinzipiell träumen Kinder und Erwachsene bei jedem Schlaf. Oft erinnert man sich aber beim Aufwachen nicht mehr. Dies ist dann anders, wenn man den Schlafenden direkt aus der Traumschlafphase weckt: In diesem Fall können sich die meisten Menschen an einen Traum erinnern. Die Erinnerung an einen Traum ist außerdem umso farbiger und genauer, je mehr es gegen Morgen hin geht.
Informationen im Internet gibt es unter www.schlafmedizin.at
Wir träumen im Normalfall jede Nacht. Nur können wir uns nicht immer an den Traum erinnern.
