Luzides Träumen - Klartraum

Der Begriff "lucid dream"

geht auf Frederik Willems van EEDEN zurück, einen niederländischen Psychiater und Dichter, der bereits gegen Ende des 19. Jahrhunderts eine "freie Psychiatrie" in den Niederlanden eingerichtet hat. Am 22. April 1913 sprach er in einem Vortrag im Rahmen eines Treffens der Society for Psychical Research über seine 352 aufgezeichneten "lucid dreams". Es ist bekannt, dass sich van Eeden in mehreren Briefen an FREUD wandte und diesem von seinen Beobachtungen berichtete.

THOLEY nennt denselben Zustand, der von Van EEDEN als "lucid dream" bezeichnet wurde, Klartraum und definiert ihn folgendermaßen:
"Klarträume sind solche Träume, in denen man völlige Klarheit darüber besitzt, dass man träumt und nach eigenem Entschluss handelnd in das Traumgeschehen eingreifen kann." (THOLEY 1980c, S.175).
Klarträume unterscheiden sich also von üblichen Träumen dadurch, dass der Träumer Bewusstsein über seinen Zustand hat und um seine freie Entscheidungs- und Handlungsfähigkeit weiß. Dabei sind Verstandes- und Willensfunktionen sowie die Erinnerung an das Wachleben völlig intakt. Die Spannweite des möglichen Erlebens im Klartraum erstreckt sich von Wahrnehmungen, Empfindungen etc., die denen im Wacherleben ganz ähnlich sind, bis hin zu phantastischen und bizarren Inhalten, die für das Träumen typisch sind.
Im Gegensatz zu imaginativen Tagtraumtechniken, wie dem Katathymen Bilderleben (LEUNER, 1962), der Oberstufe des Autogenen Trainings nach oder der Hypnose, findet der Klartraum während des Schlafes und nicht im Wachzustand statt.

Für THOLEY (1985) müssen folgende Punkte erfüllt sein, damit man definitionsgemäß von einem Klartraum in Abgrenzung zu den anderen Träumen sprechen kann.

  1. Klarheit über den Bewusstseinszustand: darüber, dass man träumt;
  2. Klarheit über die eigene Entscheidungsfreiheit: darüber, ob man z.B. vor einer Alptraumfigur flüchtet oder sich mit ihr anzufreunden versucht;
  3. Klarheit des Bewusstseins, im Gegensatz zum Trübungs-, Verwirrtheits- oder Dämmerzustand;
  4. Klarheit über das Wachleben: darüber, wer man ist und was man sich für diesen Traum vorgenommen hat;
  5. Klarheit der Wahrnehmung: dessen, was man sieht, hört, riecht, schmeckt und fühlt;
  6. Klarheit über den Sinn des Traumes;
  7. Klarheit der Erinnerung an den Traum. Dieser Punkt bezieht sich im Gegensatz zu den anderen nur indirekt auf den Traumzustand.

Für den Klartraumbegriff, wie er von Tholey eingeführt wurde, ist das Vorhandensein der Klarheit im Sinne von (1) bis (4) unerlässliche Bedingung; die Klarheit im Sinne von (5) und (7) ist dagegen nicht unbedingt Voraussetzung. Andere Autoren, wie Stephen LaBERGE, verwenden zur Bezeichnung unseres Untersuchungsgegenstandes den Begriff "lucid dreaming" oder "lucid dream", was direkt mit "luzides Träumen" übersetzt wird. Wenn ich also im folgenden die Begriffe "Klarträumen" oder "luzides Träumen" verwende, meine ich damit dasselbe Phänomen, schlicht Träume, in denen man weiß, dass man träumt und daher frei entscheidend und handelnd ins Traumgeschehen eingreifen kann. Ein Zustand, der mitunter als besonders intensiv und lustvoll erlebt wird.
In der Literatur kommt ab und zu der Begriff "präluzides Träumen" vor. Darunter versteht man einen Traumzustand, in dem zwar die Reflexion über den Zustand stattfindet, aber die Konsequenz, entscheidend und handelnd ins Geschehen eingreifen zu können, nicht bewusst ist, und sich daher das Bewusstsein, das für den luziden Traum charakteristisch ist, nicht voll entfalten kann.

Paul Tholey (* 1937 in St. Wendel, † 1998) war ein deutscher Psychologe.
Er war Schüler von Edwin Rausch, lehrte an der Universität Frankfurt am Main Psychologie und an der Technischen Universität Braunschweig Sportpsychologie. Er forschte unter anderem auf dem Gebiet der Klarträume und hat mehrere Bücher veröffentlicht. Eines der bekannteren trägt den Titel "Schöpferisch Träumen". Die wissenschaftliche Grundlage der Arbeiten von Paul Tholey auf dem Gebiet der Klartraumforschung, Sportpsychologie und der Bewusstseinsforschung war die Gestalttheorie bzw. Gestaltpsychologie. Auf dem Gebiet der Sportpsychologie wurde er maßgeblich von Kurt Kohl beeinflusst, dessen Gestalttheorie der Sensumotorik und des Sports er fortführte und vertiefte.

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